Kritik der ideologiefreien Architektur




Ramona Kraxner

Betreuung:
Univ.-Prof. Mag. Dr. Anselm Wagner
Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften
2020

In einer Gegenwart, die als ideologiefrei verkannt wird, muss auch der Stellenwert der Architektur neu ausverhandelt werden. Die Abkehr von regulativer, transdisziplinärer Kritik und die Zunahme neoliberaler Einflussnahme beherrschen die Branche. Marktinduzierte Paradigmen führen zu einem fundamentalen Shift in der Disziplin, der ästhetische, kulturelle, programmatische und nicht zuletzt kritische Prinzipien erodieren lässt. Diese Arbeit beleuchtet daher nicht nur den bisherigen Diskurs hinsichtlich neoliberaler Tendenzen in Gesellschaft und Politik, Kritik und Argumenten für und wider ideologiefreier Architektur; sondern sie stellt auch einen neuen Kritikbegriff und ein transdisziplinäres Verantwortungsbewusstsein zur Disposition. Ausgehend von der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, der neoliberalen Ideologie und ihren Fortsätzen im Posthumanismus wird ein neuer Zugang zur Kritik im Architekturdiskurs gesucht. Durch die Analyse von Postmoderne, Dekonstruktivismus, Criticality und Post-Criticality wird eine Basis geschaffen, aus der heraus eine neue, pragmatische Kritik vor dem Hintergrund des metamodernen Theorems generiert werden kann. Diese „Dirty Critique“ gebärdet sich als eine inhaltliche, strukturelle und nicht mehr nur rein ästhetische Kritik, sowie vor allem als eine praxisorientierte und moralische Haltung. Aus diesen Untersuchungen und Überlegungen heraus ergaben sich weiters Strukturen ideologiekritischer Methoden und Potentiale im zeitgenössischen Architekturprozess. Diese Impulse sollen einen neuen, ideologiekritischen Diskurs anregen, in dem die Rolle der Architektur, aber auch interdisziplinäre Begriffe neu verhandelt werden müssen, um der neoliberalen Realität gerecht zu werden. Alternative Lösungswege müssen forciert werden, um den Architekturschaffenden die Deutungs- und Handlungshoheit in der Architektur wieder zurückgeben zu können.